JUNGLE FINISH!?!

Vor genau einer Woche haben die lokalen Behörden verkündet, dass das informelle Camp von Geflüchteten*, der sogenannte Dschungel, vollständig geräumt sei. Die Medien haben diese Information aufgenommen, verbreitet und damit weitestgehend ihre Berichterstattung von der Räumung und dem Schicksal der in Nordfrankreich gestrandeten Geflüchteten beendet.
De facto haben bis heute (!) Menschen auf dem Gelände des Dschungels gelebt** und Gebäude (u.a. Kirche und Moschee) gestanden.

Bis gestern waren rund 1500 Minderjährige in Containern untergebracht. Von mehr oder gar „wohnen“ kann nicht die Rede sein! Man nehme 1500 Minderjärige, die vor Krieg und Gewalt geflohen sind und pferche sie jeweils zu zwölft in Container mit Stockbetten. Man gebe ihnen Klos, aber weder fließend Wasser, Essen, Betreuung, Beschäftigung, Informationen oder Perspektive. Kann man machen. Vor allem wenn man die Macht hat und der breiten Öffentlichkeit vorher vermittelt hat, das „Problem“ sei gelöst, sie müsse also nicht mehr hinsehen. Glücklicherweise gibt es Menschen, die weiterhin hinsehen und zupacken. Die Freiwilligen, die schon seit über einem Jahr die Geflüchteten vor Ort versorgen. Sie haben tausende von Litern Trinkwasser zu den Jugendlichen gebracht, gekocht, Essen ausgegeben, Kekse verteilt, ein offenes Ohr gehabt, mit Behörden kommuniziert, Freizeit-Angebote organisiert, die Medien informiert… All das wäre staatliche Aufgabe gewesen. Kinder und Jugendliche haben das Recht auf besonderen Schutz. Gestern sind die Kinder landesweit auf Unterkünfte verteilt worden. Es bleibt zu hoffen, dass es ihnen dort besser geht, ihre Recht gewahrt werden, sie mit ihren Familien zusammengeführt werden und sie auch sonst die Unterstützung erhalten, die sie brauchen.

Heute sind die verbleibenden Frauen und Kinder aus dem Jules-Ferry-Zentrum ebenfalls abgeholt und verteilt worden. Die letzten Gebäude auf dem Gelände wurden zerstört. Er heute haben die Behörden für die vollständige Räumung des Dschungels gesorgt. Warum wurde sie dann eigentlich schon letzte Woche verkündet?

Und jetzt? Jungle finish?

NO, JUNGLE NO FISNISH!

Es bestehen weiterhin informelle Camps in Dunkirk/Grand Sythe, Norrent Fontes und viele kleinere an der Küste. In Paris sind die Zahlen der Menschen in informellen Camps in den letzten Wochen sprunghaft angestiegen. Zum Beispiel an der Metro-Station Stalingrad. Es campieren Tausende in der Stadt. Rund um Calais verstecken sich viele Geflüchtete vor der Polizei. Sie sind nun vereinzelt und obdachlos. Weitere Menschen sind auf dem Weg nach Calais.

Der Dschungel mag geräumt und gebulldozert sein, aber das bedeutet nur, dass „das Problem“ noch leichter übersehen und übergangen werden kann. Eine Freiwillige in Calais hat es gut in Worte gefasst: „Lets not be lulled into a false sense of security Calais is far from over. There are small camps that have sprung up all over the place with no facilities and no food and refugees are still arriving. People that are still having to flea war, climate change, genocide, dictatorships, discrimination, poverty, famine… Nothing has changed there.“
Ein umfassendes Update mit anschließender Diskussion gibt’s von Biscuits for Calais am kommenden Mittwoch bei die beymeister.

* Vielleicht wäre „Flüchtende“ tatsächlich der bessere Begriff.

** Sie hatten sich nicht den behördlichen Aktivitäten widersetzt, sondern sind in den verbleibenden Unterkünften belassen bzw. temporär untergebracht worden.