Polizeigewalt gegen Helfer*innen und Flüchtende in Dünkirchen

Heute morgen fuhren wir zum sogenannten „Dschungel“ von Dünkirchen, direkt neben dem ehemaligen Lager. Wir kamen wie üblich um die Mittagszeit zur Verteilung und trafen uns mit einigen Freunden [Refugees] zu sehen, wie es ihnen geht. Als sie uns den Bereich zeigten, in dem sie schliefen und die Art und Weise, wie das Wasser über Nacht durch ihre Zelte sickerte, fragten sie uns, ob wir ihnen helfen und einige wasserdichte Planen besorgen könnten, damit sie trocken schlafen konnten. Wir taten uns mit einigen niederländischen Freiwilligen zusammen und kauften alle notwendigen Sachen in der Nähe. Wir hatten keine Ahnung, wie sich der Tag entwickeln würde.

Als wir uns wieder zusammenfanden, wartete Sabrina beim unserem Auto, das direkt neben einem Polizeiwagen parkte, mit dem Refugees in das Deportationszentrum gebracht werden sollten. Ich ging zu unserem Auto, das ja in der Nähe stand, um mir eine Flasche Wasser zu holen. Als ich um die Ecke bog, fuhr ein Polizeiwagen an mir vorbei und noch im Fahren sprang ein Polizist aus und stürzte sich auf mich, was was dazu führte, dass ich gegen einen Zaun gestoßen wurde und fragte mich nach meiner Identität. Als ich nach meinen Ausweisdokumenten griff, versuchte ich auch mein Handy rauszuholen, um ein Video zu machen und diesen Moment zu dokumentieren. Der Offizier packte mein Handgelenk und nahm mir mein Telefon weg, während ein anderer Offizier plötzlich meine Hose und Unterwäsche herunterzog und mich vor den Familien entblößte, die vom Einkaufen kamen. Anscheinend suchten sie nach etwas, das Sabrina mir auf dem Parkplatz gegeben hatte, bevor ich die Flasche Wasser genommen hatte. Ich frage mich noch immer, was sie sich gedacht haben.

Sie sagten „Wo ist es?!“ Und „Für wen arbeitest du?“ Und ich antwortete „Für die Europäische Kommission“, worauf er [der Polizist] mit einem rassistischen Kommentar reagierte, wie ein Mexikaner bei der Europäischen Kommission arbeiten und in Frankreich sein könnte, und anwies meine Angaben zu prüfen. Das war erst der Anfang.

Als ich dann zurückkam, hatten Sabrina und die anderen einige Fotos davon gemacht, wie die Polizei die Refugees umzingelte, die vor dem Polizeiwagen auf dem Boden saßen. Als ich meine Geschichte erzählt hatte und ich erwähnte, dass es die Polizeibeamten von diesem Van waren, die mich angegriffen hatten, bestand sie darauf, dass wir Fotos als Beweise machten. Leider war ihr Akku leer, und mein Handy hatte noch wenig Speicherplatz, aber das Video, das wir aufnehmen konnten, gibt die Aggressivität der Begegnung wieder. Seht selbst.

Was man nicht sieht ist, dass nach dem Ende der Aufnahme, ein anderer Offizier zu Sabrina kam und in der gleichen aggressiven Weise versuchte, sie einzuschüchtern damit sie nicht filmte. Sie machte weiter und er fragte sie immer: „Woher kommst du?“ „Wo in den USA? Welche Stadt?!“ „New York!“ Er versuchte auch, ihr das Handy wegzunehmen zu packen, aber am Ende zog er sich zurück.

Mittlerweile hatten sich dort von wo aus die Verteilung stattfand massig Polizeifahrzeuge versammelt und das Gebiet, das wir gerade besucht hatten, mit allen Zelten und Familien, wurde langsam von einer Polizei-Aktion durchzogen. Alle wurden verscheucht, scheinbar ohne einen klaren Plan, wie es weitergehen sollte: „Geh einfach!“ Aber wohin?? Kinder weinten und ein Offizier zog einer Frau an den Haaren und schrie „F * ck!“, Bevor er sie zur Seite schubste.

Wir haben beschlossen, so viel wie möglich zu dokumentieren.
Ich schaffte es, auf im Innenbereich zu bleiben und von meinem Telefon zu filmen. In der Zwischenzeit wurde Sabrina von den Flüchtlingen ermutigt, mit ihrer großen Kamera zu filmen. Doch als sie sich der Polizei näherte und ihren Presseausweis zeigte, drängten sie auf ein „echtes“ Ausweispapier. Ihr New Yorker Führerschein war nicht „echt“ genug. Sie sagten: „Du kannst hier ohne Pass nicht durch“, worauf sie sagte: „Mein Pass ist in meinem Auto, also wenn Sie meinen Pass wollen, müssen Sie mich durchlassen, damit ich ihn holen kann.“ Der Offizier grinste und sagte: „Sehr clever.“ Letztendlich handelten sie ein „Interview“ aus, da sie sie nicht durchlassen würden, aber als sie die Kamera wegdrehte, begann derselben Offizier, sie mehrmals zu schubsen. Was nicht legal ist.

Manchmal sind die Dinge, die geschehen wenn wir keine Kamera zur Hand haben, weit schlimmer als das, was wir einfangen können. Wir haben eine leichte Einschüchterung durch die Polizei erlebt, nur ein Vorgeschmack dessen, was unsere Freunde [Refugees] jeden Tag erleben. Wie kann das in Frankreich geschehen? Das Land der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Keine der Handlungen, die wir heute erlebt und erlebt haben, passt dazu.

Bitte teilt dieses Video, um die Aufmerksamkeit auf das zu richten, was hier geschieht, in Europa, gerade jetzt im 21. Jahrhundert.

* Geschrieben von Sabrina und Adrian. Übersetzt von Biscuits for Calais.