Wissenschaftliche Daten zur aktuellen Situation der minderjährigen Flüchtenden in Calais

Das Refugee Rights Data Project erhebt regelmäßig Daten zur Situation von Flüchtenden und Geflüchteten. Im aktuellen Bericht „Six Months On“ geht es schwerpunktmäßig um die unbegleiteten Minderjährigen, die sich nach der Räumung des „Dschungels“ noch immer in Calais befinden. Im Bericht geht es um ihre Erfahrung mit Polizeigewalt, aber auch ihre Motivation nach Großbritannien zu gehen.

Den lesenswerten Bericht gibt es auf Englisch und Französisch (Link unten) und er enthält viele schnell verständliche Abbildungen. Die abschließende Zusammenfassung haben wir für euch übersetzt:

Sechs Monate nach dem Abriss des Flüchtlingslagers in Calais ist klar, dass viele Probleme ungelöst bleiben.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung werfen ein Licht auf das Ausmaß der Vernachlässigung des Kinder- und Jugendschutzes im Großraum Calais. Ein großer Anteil der sich in der Region aufhaltenden minderjährigen Flüchtenden lebt ohne Begleitung eines Erwachsenen und viele von ihnen sind bereits seit sechs Monaten oder länger in Frankreich. In diesem Zeitraum war ein Großteil von ihnen Opfer von Polizeigewalt, einschließlich Tränengas und Schlägen. Der Mangel an Sicherheit in Verbindung mit einem fehlenden Zugang zu Informationen, Beratung und Unterstützung ist dabei auffällig.

Eine große Zahl der Befragten berichtete, dass sie Angehörige im Vereinigten Königreich haben, was nahelegt, dass sie unter den Dublin-Verordnungen ein Recht auf Familienzusammenführung hätten. Allerdings wurde vielen die Möglichkeit verweigert sich mit Hilfe dieses rechtlichen Mechanismus ihren Familien wieder anzuschließen, manche warten noch auf ein Ergebnis, während andere noch nicht die Möglichkeit hatten, sich zu bewerben. Es ist außerdem klar, dass unter dem Dublin-System vielen der gefährdeten Kinder auf den Straßen von Calais im Vereinigten Königreich Schutz gewährt werden sollte, was ein direkteres Eingreifen von Seiten der britischen Regierung erfordert.

Währenddessen ist es dringend notwendig für humanere Standards auf französischem Boden zu sorgen. Der gegenwärtige staatliche Ansatz der polizeilichen Brutalität und Einschüchterung trägt wenig zur Lösung der untragbaren Situation bei, welche sich weiterhin in und um Calais entfaltet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sechs Monate nach dem Abriss des Lagers sowohl die britische, als auch die französische Regierung dringend eine entscheidendere Rolle bei der Abwendung dieser humanitären Krise einnehmen müssen.

Quelle: http://refugeerights.org.uk/reports/